Facebook streicht die Privatsphäre zusammen

Facebook macht Verstecken unmöglich

Facebook-Logo als Spiegelung: Das Netzwerk macht die Nutzer leichter auffindbar. Facebook streicht die Privatsphäre zusammen: Das soziale Netzwerk zwingt nun alle Mitglieder, per Namenssuche für alle auffindbar zu sein. Die Begründung der Firma für diesen Schritt ist abenteuerlich.

Hamburg – Manchmal ist es von Vorteil, wenn andere Menschen nicht wissen, was man auf Facebook treibt, oder dass man überhaupt angemeldet ist. So bleibt einem beispielsweise das Nachdenken erspart, welche Freundschaftseinladung man annimmt und welche nicht – Stichwort Lehrer, Chef, Ex-Partner. In Zukunft könnten aber auch besonders vorsichtige Facebook-Nutzer öfter vor derartige Entscheidungen gestellt werden.

Facebook streicht eine datenschutzfreundliche Funktion komplett aus seinem Angebot. Bislang konnte jeder Nutzer frei bestimmen, ob und von welchen Nutzergruppen er unter seinem Namen über die Facebook-Suche auffindebar ist.Künftig soll das nicht mehr möglich sein. Weil Nutzer auch auf vielen anderen Wegen auffindbar sind, habe die Funktion ein “falsches Sicherheitsgefühl” vermittelt, sagte ein Facebook-Mitarbeiter gegenüber “Mashable”. Die Aussage stimmt, denn Facebook behandelt seit einiger Zeit den Namen jedes Nutzers grundsätzlich als öffentlich zugängliche Information, die in der Standardeinstellung zudem auch über externe Suchmaschinen abrufbar ist.

In Facebooks offizieller Erläuterung heißt es, das soziale Netzwerk habe die Funktion für alle Nutzer abgeschaltet, die sie sowieso nicht aktiviert hatten. Bei Personen, die sie nutzen, soll sie in den kommenden Wochen eingestellt werden. Die “New York Times” zitiert Facebooks Produktchef, der von einem einstelligen Prozentsatz Betroffener spricht – was angesichts einer Milliarde Facebook-Nutzer noch immer Millionen Menschen sind.

Facebook begründet Privatsphäreverlust mit Verlust der Privatsphäre

Damit bestätigt Facebook die Faustregel vieler Usability-Experten: Die überwiegende Mehrheit der Nutzer akzeptiert die Voreinstellungen. Was Facebook als Standard vorgibt, wird von der Mehrheit so genutzt. Deshalb ist die Argumention Facebooks abenteuerlich: Das Netzwerk gibt Einstellungen vor, die Mehrheit der Nutzer ändert sie nicht, deshalb wird die Wahlfreiheit abgeschafft. Hätte Facebook die eingeschränkte Suche als Voreinstellung festgelegt, wäre wahrscheinlich auch nur eine Minderheit davon abgewichen.

Da im größten sozialen Netzwerk Klarnamenzwang herrscht, können sich künftig also alle Facebook-Nutzer gegenseitig finden – und in der Regel mindestens die Chronikseite samt Profilfoto und Titelbild sehen. Außerdem ist bei Facebook die Freundesliste standardmäßig öffentlich – wer einen Namen kennt, findet so Facebookfreunde, Porträtfotos und alles andere, was die Firma sonst noch als öffentliche Informationen deklariert.”Verstecken ist nicht mehr”, titelt “Zeit Online” zu der Änderung. Die “New York Times” kommentiert die verschwundene Einstellung mit einer Anspielung auf die Bibel: “But when Facebook giveth, Facebook taketh away.” Auf eine Technik-Konferenz im September verweist die BBC: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte dort angekündigt, eine Suchmaschine zu entwickeln, das Streichen der Option könnte ein Vorbote dieses Projekts sein.

Ob man Freundschaftseinstellungen unbekannter Nutzer erhalten kann oder ob man via Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zu finden ist, kann man in den Privatsphäre-Einstellungen übrigens weiterhin einstellen. Außerdem lassen sich andere Nutzer blockieren. Will jemand, den man blockiert hat, das entsprechende Profil aufrufen, sieht er nur die Meldung: “Die von dir angeforderte Seite konnte nicht gefunden werden.”

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