Ein Hippie-Haus in Cornwall

Die letzten Hippies

Gill und Robert Hocking bereiten ihren Gästen lässige Tage in Cornwall und beliefern Starköche wie Jamie Oliver mit Salat und Gemüse.

© Robert Hocking

Seit die Kinder aus dem Haus sind, werden die Zimmer im ersten Stock der Buttervilla vermietetSeit die Kinder aus dem Haus sind, werden die Zimmer im ersten Stock der Buttervilla vermietet

Rosamunde Pilcher lässt in ihren Schnulzen nicht nur die Liebe siegen. Sie zeigt auch Bilder einer übertrieben schönen Landschaft. Beschauliche Bauerngärten grenzen an große Felder, die sich in steilen Hügeln bis zum Horizont erstrecken, bis sie an den Steilküsten jäh ins Meer hinabfallen. Das ist auch ziemlich genau der Blick, den man von der Buttervilla hat.

Das fast quadratische Bauernhaus von Robert und Gill Hocking am Rande des kleinen Örtchens St Germans im Süden von Cornwall liegt inmitten einer dieser grünen Wogen. Weit weg von den überlaufenen Stränden in Newquay und Padstow. Wenn man über den Kiesweg auf das einfache, in weichem Gelb getünchte Haus zugeht, zögert man zunächst, ob man eintreten soll oder den Blick in die Landschaft von der Bank davor doch noch ein wenig länger genießen sollte.

Seit vierzig Jahren leben Gill und Robert Hocking hier, und seit die Kinder aus dem Haus sind, führen sie die Buttervilla als Bed & Breakfast mit drei großen Gästezimmern im ersten Stock. Auf dicken Teppichen stehen einfache Holzmöbel. Der bequeme Lesesessel, der Fernseher in der Ecke und der Wasserkocher für Tee oder Kaffee schaffen das Gefühl vollkommener Gastfreundschaft.

Die Badezimmer werden mit Wasser aus der eigenen Quelle gespeist, und durch die kleinen Sprossenfenster fällt das unvergleichliche Licht, das Cornwall seinen Ruf als englische Côte d’Azur verschaffte. Draußen am Fenster hängt eine Futterkugel. »Wahrscheinlich werden Sie morgen früh von dem Kleinspecht geweckt, der kommt eigentlich immer«, sagt Gill Hocking.

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Das Ehepaar, so Anfang sechzig, gibt einem nicht nur das Gefühl, in ihrem Haus willkommen zu sein. Sie sind beide in Cornwall geboren, fühlen sich der Landschaft verbunden, und durch das organisierte Vogelkonzert am Fenstersims laden sie auch dazu ein, sich in dieser Gegend zu Hause zu fühlen.

»Wir sind zwei alte Hippies«, sagt Robert Hocking schmunzelnd. Und dann erzählt er gleich von ihrem Hauptberuf. Die Hockings sind nämlich eigentlich alternative Gemüsebauern. Seit zwanzig Jahren sind sie Teil einer landwirtschaftlichen Genossenschaft von zwanzig Familien, die auf einem Hof in der Nähe Gemüse, Salate und Kräuter nach den Gesetzen des Anthroposophen Rudolf Steiner anbauen und mit ihren Produkten Starköche wie Jamie Oliver und Rick Stein beliefern.

Blick in den Garten des Hauses

© Robert Hocking

Blick in den Garten des Hauses

Ein Spaziergang durch den Garten führt an englischem Rasen und Blumenbeeten vorbei, zwischen denen Liegestühle für die Gäste stehen. An wilden Hecken entlang geht es dann hinauf zu einem Aussichtspunkt, herrlicher Ausblick über die Felder. Steigt man dann noch weiter an, gelangt man zum Küchengarten der Hockings. Von hier kommen einige der Zutaten für das klassische Full English Breakfast. Hier kann man sich die Eier aus den Nestern der frei laufenden Hühner selbst holen.

 

Die letzten Hippies

© Robert Hocking

Der Ort Kingsand an der Küste Der Ort Kingsand an der Küste

Daneben, in einem Gewächshaus von der Größe eines Tennisplatzes, wachsen fünf verschiedene Sorten Tomaten, die in altem Kuhdung gedeihen und so unterschiedlich schmecken wie verschiedene Apfelsorten. Und im Kräuterbeet wachsen neben Bohnen, verschiedenen Salaten, Rettichen und jedem erdenklichen Küchenkraut auch exotische Neuzüchtungen wie das Austernblatt, eine Salatpflanze, die tatsächlich den salzigen Seegeschmack einer Auster hat.

Folgt man nach dem Frühstück dem Rat der Hockings, diesen vergleichsweise unberührten Teil Cornwalls zu entdecken, fährt man zunächst durch St Germans. Es ist ein Ort, der jedem Klischee von englischer ländlicher Idylle entspricht. Kleine steinerne Cottages mit Heckenrosen in den Vorgärten und einer Kirche aus dem Jahr 1261, die bis heute Bischofssitz ist.

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Daneben liegt Port Eliot. Der Sitz der Fürsten von St Germans ist ein verwunschener, mit Moos bewachsener und von Türmen und Zinnen gekrönter Bau, dessen Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen und der zwischen März und Juni zu besichtigen ist. Ende Juli findet dann das Literaturfestival statt, das der exzentrische Fürst Peregrine, der sich im Hauptberuf als »Nichtsnutz« bezeichnet, mit seiner jungen Frau Catherine Wilson veranstaltet. Für vier Tage werden das alte Gemäuer und der Park dann von Rockmusikern, Künstlern und Literaten bevölkert.

Zwei Meilen weiter südlich an der Küste öffnet sich dann Whitsand Bay, ein kilometerlanger Sandstrand, der auch in der Hochsaison, abgesehen von ein paar Surfern, einsam ist. Gen Westen schließt sich das ehemalige Fischerdorf Polperro an, in dem sich kleine Häuschen dicht an den Hang drängen und in das smaragdgrüne Meer zu purzeln scheinen. Und im benachbarten Hafen Looe ist der Fisch so frisch, dass er seit einiger Zeit als Geheimtipp unter den Londoner Michelin-Köchen gilt.

So schön ist die Landschaft, dass die Tage für Robert und Gill Hocking nie lang genug sind. »Am liebsten würden wir unseren Gästen all die heimlichen Plätze selber zeigen«, sagen sie. »Aber dazu sind wir einfach zu leidenschaftliche Bauern.« So bleibt dem Besucher die Freude daran, eine Landschaft selbst zu erkunden, von der er vielleicht dachte, er würde sie schon kennen. In Wahrheit ist sie noch überwältigender als in der Welt der Rosamunde Pilcher.

Buttervilla Farm, Polbathic, St Germans Torpoint, Cornwall PL11 3EY, Großbritannien, Tel. 0044-1503 230315, http://www.buttervilla.com. DZ ab circa 87 Euro inklusive Frühstück

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