Mobile Klinik für Haiti

OP-Saal zum Aufblasen

50 Tonnen Material für mehr als 800 Patienten: In der vergangenen Nacht flog eine komplette Klinik des Deutschen Roten Kreuzes von Schönefeld Richtung Port-au-Prince.

Die Franzosen haben in Port-au-Prince bereits Zelte für medizinische Behandlungen aufgestellt. Nun ist auch das Deutsche Rote Kreuz mit einem mobilen Krankenhaus unterwegs nach HaitiDie Franzosen haben in Port-au-Prince bereits Zelte für medizinische Behandlungen aufgestellt. Nun ist auch das Deutsche Rote Kreuz mit einem mobilen Krankenhaus unterwegs nach Haiti

Es ist ein Krankenhaus mit allem, was benötigt wird, das gestern auf dem Flughafen Schönefeld in vielen Kisten verladen wurde. 50 Tonnen Material, verteilt auf zwei Flugzeuge, sind nun unterwegs nach Port-au-Prince. Vom Stromerzeuger über den Entbindungstrakt, vom Küchenzelt bis zum aufblasbaren OP-Saal – alles was eine Klinik benötigt, wurde in den vergangenen Tagen im DRK-Logistikzentrum am Flughafen Schönefeld verpackt.

“120 Patienten können in dem Feldkrankenhaus stationär aufgenommen werden, 700 weitere ambulant behandelt”, sagt Svenja Koch vom Deutschen Roten Kreuz. Vier Operationstische stehen den Ärzten zur Verfügung. Sie sind in aufblasbaren Sälen untergebracht. “Die kann man sich vorstellen wie eine Hüpfburg”, beschreibt Koch. “Wurstförmige Säulen halten die Konstruktion und der Plastikfußboden hilft, die Operationsräume keimarm zu halten.” (klicken sie hier für eine Infografik des mobilen Krankenhauses)

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Aus diesem Grund wird auch permanent gefilterte Luft ins Innere geblasen, die mit geringem Überdruck entweicht und so das Eindringen von Erregern verhindert. In den Krankenzelten sind die Standards nicht ganz so streng. Die Patienten liegen in stoffbespannten Aluminiumbetten, die je nach Untergrund direkt auf dem Boden aufgestellt werden.

Rund 30 Zelte wird das Hospital umfassen. Dazu gehören auch Unterkünfte fürs Personal. 100 Mitarbeiter werden gebraucht. Nach einer kurzen Einweisung in Berlin sollen die Deutschen, Finnen, Isländer, Hongkong-Chinesen und Schweizer nach Port-au-Prince aufbrechen. Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Techniker, Laboranten sind dabei. “Das gesamte Team hat eine Zusatzausbildung für das mobile Krankenhaus absolviert”, sagt Koch. “Die meisten von ihnen waren zuvor bereits in anderen Krisengebieten dabei.”

Bei der Planung der Schichten werde darauf geachtet, dass die Mitarbeiter nicht Tag und Nacht arbeiten, sondern auch Pausen machen. “Die Leute sollen nicht gleich ausbrennen, die müssen einige Wochen durchhalten”, macht Koch deutlich.

1,4 Millionen Euro ist die mobile Gesundheitsstadt wert. Mit seinem Konzept von Modulen, die je nach Einsatz angepasst werden können, ist es nach DRK-Angaben das weltweit einzige dieser Art. Dank spritbetriebener Stromgeneratoren und Wasseraufbereitungsanlage kann es völlig autark eingesetzt werden.

Zuletzt war das Krankenhaus im Mai 2008 in China errichtet worden, um die Überlebenden eines Erdbebens zu versorgen. Von der Ankunft des Materials auf dem Flughafen, dem Transport auf einer abgesperrten Autobahn über den Aufbau der Zelte bis zur Aufnahme des ersten Patienten seien nur zwei Tage vergangen, berichtet Koch. Sie hofft, dass es in Haiti auch so reibungslos läuft.

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