Paleo: nach einem großartigen Festival schließt sich der Vorhang

An sechs Festtagen hintereinander hat das Paléo Festival rund 230 000 begeisterte ZuschauerInnen empfangen. Diese kurzlebige Stadt mit nahezu 50 000 Einwohnern war Schauplatz aller Arten von Konzerten, von den grössten Stars bis zu den Entdeckungen von morgen.

Diese 34. Ausgabe des Paléo Festival, die an einem ganz in Rock und Soul gekleideten Dienstag von Gossip eingeläutet wurde, war geprägt vom unbestreitbaren Triumph von Francis Cabrel bei seinem ersten Besuch am Paléo. Vor dem Südfranzosen trat auf der Grossen Bühne die strahlend feinfühlige Folk-Diva Tracy Chapman auf.

Von der Anmut der Zürcherin Sophie Hunger bis zur Klasse von Franz Ferdinand war diese Ausgabe reich an Emotionen und Höhepunkten. In einem aus allen Nähten platzenden Chapiteau – das die ganze Woche über berstend voll war – hat das mexikanische Duo Rodrigo Y Gabriela das Publikum in eine eigentliche Trance versetzt und zu Applausstürmen hingerissen.
Amy Macdonald und Charlie Winston bestätigen ihren Status als sichere Werte der Musik. Erstere – noch keine 22 Jahre alt – verstand es, eine im Nu von ihren unvergleichlichen Balladen überzeugte Grosse Bühne zu verzaubern, während der Zweite mit einer atemberaubenden Energie ein buntes Konzert voll belebender Pop-Rock-Hymnen zum Besten gab. The Young Gods play „Woodstock“, ein verblüffendes Musik-Film-Projekt, das die künstlerische Intelligenz der Young Gods mit den Bildern des legendären Festivals verband, entführte das Publikum an die mystischen Grenzen von 1969 und 2009. Im Club Tent schenkte Grace einem ergriffenen Publikum ein ungemein sensibles Konzert.

Eine schrille und ätzende Performance boten Zone Libre vs Casey & B. James, bei denen Rock-Gitarren sich glücklich mit engagiertem Rap vermählten. Die jungen und vielversprechenden Holländer des vor Energie überbordenden Electro-Punk-Trios Daily Bread haben einem hingerissenen Club Tent ihren Stempel aufgedrückt. Die verrückten Franko-Amerikaner Naive New Beaters haben ihren Ruf als echte, ebenso dynamische wie liebenswürdige Bühnenkünstler bestätigt. Und dynamisch ging es auch zu, wenn die Asse zu einem Dancefloor wurde: im Chapiteau mit 2manydjs und ihren höllisch geschliffenen Mash-ups, vor der einem Raumschiff gleichenden Grossen Bühne mit Fatboy Slim, in einem vom Zigeuner Electro-Jazz von Caravan Palace auf den Kopf gestellten Club Tent.

Das in seinen schönsten indischen Schmuck gekleidete Village du Monde war Gastgeber der Begegnung zwischen dem neu konzipierten Jazz von Erik Truffaz und Malcolm Braff und der traditionellen indischen Musik. Mit seinen traditionellen Percussions zwischen Electro, Jazz und World hat Trilok Gurtu seine ganze Virtuosität eingesetzt, um Tradition und Moderne in einer grandiosen rhythmischen Explosion zu vereinigen.

2010 ist das Südliche Afrika im Village du Monde zu Gast.

Es war ein Genuss, die überbordende Gesundheit einer brodelnden Schweizer Szene zu bewundern. Mit dem Electro von Tim et Puma Mimi oder Kate Wax oder auch dem Punk-Rock von The V.AC. hat le Détour unvergesslich intensive Momente erlebt.

La Ruche bot den kleinen und grossen LiebhaberInnen der Zirkus- und Strassenkünste einen zauberhaften Ort von unvergleichlicher Poesie und Schönheit.

Organisatorische Bilanz

Das System des Becherpfands hat sich voll und ganz bewährt und die gewünschte Wirkung erzielt: mehr Sauberkeit denn je auf dem Festivalgelände und weniger Abfall.

Zum Zeitpunkt dieser Bilanz ist weder bei der Ersten Hilfe noch bei der Sicherheit ein ernsthafter Zwischenfall zu melden. Der Zeltplatz wurde über die ganze Woche hinweg von schätzungsweise 8’000 Personen besucht.

Transport

Eine erste Schätzung der Parkplatzbenützung zeigt einen deutlichen Rückgang der parkierten Fahrzeuge. Ersten Beobachtungen zufolge hat auch die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel zugenommen.

Nächstes Festival: 20. bis 25. Juli 2010 | www.paleo.ch | Programm: 13. April 2010

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