Bruce Springsteen gastierte mit seiner E-Street-Band im Wiener Happel-Stadion

auch die Wiener Zeitung beschäftigte sich mit le böss:

Ein Boss zum Anfassen

Hautnaher Kontakt zum Wiener Publikum: Bruce Springsteen.

)

Von Francesco Campagner
Wenn Gäste kommen, so bringen sie meistens etwas mit. Das Gastgeschenk, das Bruce Springsteen am Sonntagabend bei seinem Auftritt im Wiener Ernst-Happel-Stadion seinen Fans offerierte, war überraschend: Mit dem am Akkordeon gespielten Walzer “An der schönen blauen Donau” tanzte seine E-Street-Band auf die Bühne und kassierte prompt frenetischen Applaus. Doch damit war auch der Beschaulichkeit Genüge getan. Der Boss hatte schließlich ein Programm von drei Stunden vor sich, keine Pausen eingeplant und wollte das tun, was Rock-Musiker am besten können: rocken.

Springsteen, der im September 60 Jahre alt wird, zeigt keine Ermüdungserscheinungen, weder auf der Bühne noch im Studio. Heuer ist mit “Working On A Dream” sein fünftes Studio-Album seit der Jahrtausendwende erschienen. Eine Platte, die einen deutlich heiteren Springsteen offenbart, der seine Tristesse und Niedergeschlagenheit genauso hinter sich gelassen hat wie Amerika seine George W. Bush-Jahre. Und diese Fröhlichkeit ist an dem lauen, etwas schwülen Sommerabend im Wiener Prater zu spüren. Schon mit dem tristen Opener “Jackson Cage”, den die E-Street-Band mit Leidenschaft spielt, ist allerdings klar, dass die Rock-Power fein ziselierten Klängen keine Chance geben wird. Stadion-Rock ist kein Kammerspiel, und der Sound zu Beginn des Konzertes diffus suppig. Besser wird es meist nur bei neueren Songs, wie etwa beim hadernhaften “Outlaw Pete”. Da reißt sich die Truppe am Riemen und spielt gepflegten Rock. Der Boss selbst ist in bester Laune, stolziert auf einer elendslangen Vorbühne und sucht den Körperkontakt mit dem Publikum, das Springsteens Song “Human Touch” (in Wien nicht am Programm) wörtlich nimmt.

Die Botschaften des Mannes aus New Jersey, der noch immer so jugendlich wirkt wie eh und je, sind wohldosiert. Im treibenden “Cover Me” beschwört er mantra-mäßig die globale Krise, indem er die Zeilen “the times are tough now, just getting tougher” etliche Male wiederholt. Doch von Krise will sein Publikum nichts wissen. Die Songwünsche sind vielfältig, auf Kartons und Zetteln gemalt, die Springsteen brav einsammelt, um dann einige Wünsche zu erfüllen. Unter anderem das fast zum Tag passende ” 4th of July, Asbury Park (Sandy)” – und den mit großer Spielfreude intonierten Creedence Clearwater Revival-Hit “Proud Mary”. Die Band rockt, Little Steven und Nils Lofgren duellieren sich wie immer mit ihren Gitarren, während Max Weinberg (dr) und Garry Tallent (b) solide und schnörkellos für den treibenden Rhythmus sorgen. Hörenswert sind aber die Einsätze von Roy Bittan am Klavier und Clarence Clemons am Saxophon. Bittan zaubert ein wunderbares Intro für “Because The Night” in die Wiener Nacht, das Springsteen mit viel Herzenswärme darbringt, während Clemons auch zum wohl tausendsten Mal “Born To Run” veredelt.

Hie und da überrascht aber auch Springsteen. Das heftig akklamierte “The River” bringt er deutlich reduziert, geradezu gebrochen. Die Tempobremse lässt auch die E-Street-Band ein wenig stolpern, die leise im Hintergrund meist um ein paar Takte zu schnell unterwegs ist. Und auch The Boss erlebt etwas Unerwartetes, als ein Zuschauerin ihren Songwunsch mittels ausgezogenem T-Shirt kund tut. Der Wunsch wird ihr erfüllt und das Publikum kann ein prächtiges “Jersey Girl” erleben.

Nach 29 Songs und einem zum Abtanzen intonierten “Twist & Shout” ist auch Springsteen mit seiner E-Street-Band am Ende angelangt. Der Boss hat mit seiner Truppe seine „Traum-Arbeit“ in Wien erledigt.

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