die Frankfurter Rundschau über Bruce Springsteen

last but not least, die Rundschau. Auch hier: Klassen besser als die FAZ, wir bleiben bei unserem Statement. Immerhin zieht der geneigte Leser, der nicht beim Konzert ein paar Infos über dasselbige aus dem Artikel und erfährt nicht nur zeilenschindendes Allgemeinblabla.
und so schreibt Sylvia Staude in der Frankfurter Rundschau über das Konzert in Frankfurt:

Ein Springsteen lässt sich nicht lumpen

Es ist alles wie immer an diesem Abend in der Frankfurter Commerzbank-Arena: Fast drei Stunden ist Bruce Springsteen – im Rücken die außergewöhnliche E-Street-Band – ein unermüdlicher Rock-Arbeiter, eine gut gelaunte Rampensau.

In diesen Stunden drängt sich ein Vergleich auf zwischen zwei Superstars des Musikbusiness: The King, The Boss. Der eine tragisch gescheitert, Schlaf offenbar nur noch mit Hilfe von Narkosemittel findend, der andere entspannt, mit sich im Reinen.

Es gibt wenige Stars, die ihrem Publikum so freundlich, so aufgeräumt begegnen wie Springsteen, und die es doch verstehen, ihre Privatsphäre zu wahren. Im September wird er 60, gegen Ende des Konzerts macht die Stimme nicht mehr jedes Röhren mit, aber Bruce Springsteens pausenloser Auftritt ist mindestens ein Halbmarathon.

Tropfen um Tropfen

Nach wenigen Liedern wird das armeegrüne Hemd dunkel, beim zehnten schon, “Factory”, sieht man auf der Videowand, wie von der Greifhand Tropfen um Tropfen fällt. Später geht er auf einem kurzen Steg ein paarmal ins Publikum, Männer wie Frauen klopfen ihm auf die nun erreichbaren Beine, als wäre er ein Pferd, er lacht und sammelt ihre Schilder ein mit Song-Wünschen oder auch einem Bush-Bild mit Teufelshörnern.

Da war doch mal was. Aber George W. Bush ist abgehakt für Springsteen. Er hat nicht vergeblich für den Wechsel geworben, seine neue CD “Working on a Dream” ist wieder voller Liebeslieder. Auch eines der schönsten darauf, die Ballade von “Outlaw Pete”, ist eines: Einen Gewohnheitsverbrecher macht die Liebe zu Frau und kleiner Tochter zum friedlichen Mitglied eines Navajo-Stammes, und als ihn die Vergangenheit einholt, begeht er lieber Selbstmord, als seine Familie mit in einen neuen Strudel der Gewalt zu reißen.

<“Outlaw Pete” war an dem heißen Frankfurter Abend eines der Lieder von der neuen CD, viele waren es insgesamt nicht. Springsteen ist nach der Solo-Tour zu “Devils & Dust” und der folkigen musikalischen Hommage für Pete Seeger (“We Shall Overcome – The Seeger Sessions”) schon mit “Magic” (2007) zurückgekehrt zum guten alten E-Street-Band-Rock, zu Rocksongs, die nicht immer mitreißend, aber solide sind wie Bunkermauern.

Auf dieser Tour nun lässt es Springsteen richtig krachen, mit schnellen, rauen Versionen von “Adam Raised a Cain”, “Point Blank”, “Hungry Heart” oder “Born to Run” – und er wirft sein Publikum um Viertel nach Elf raus mit “Twist and Shout”, in das der Refrain von “La Bamba” geflochten ist.

Der politische Springsteen, der in “Devils & Dust” an die Soldaten im Irakkrieg erinnerte, der schon bei der vorletzten US-Präsidentenwahl für “Change” auf die Bühne ging, ist ins Private zurückgekehrt. Was nicht heißt, dass er mit seiner rauen, manchmal derb zupackenden Stimme nicht auch von Arbeiterträumen und -sorgen singt: Bruce Springsteen ist ein Boss, der auf einem Konzert von 2009 mit einem Lied von 1854 an Armut erinnert und eine Wiederkehr der harten Zeiten zu bannen versucht: Mit “Hard Times Come Again No More” von Stephen C. Foster eröffnet er den Zugabenblock, als wolle er seinem Publikum dann doch ein wenig ins Gewissen reden. Und lässt sein “Jungleland” von 1975 folgen, ein düsteres Lied über Ghetto-Kinder, die vom “Todeswalzer” mitgerissen werden.

Inzwischen ist längst der Mond gelb aufgegangen am Himmel über der Commerzbank-Arena, Flugzeuge sind im Minutentakt auf Landeanflug, in den Tunnel neben der Bühne sind schwarze Limousinen eingefahren und warten. Aber die E-Street-Band, die sich nicht zuletzt auszeichnet durch den Saxophonisten Clarence Clemons, den Schlagzeuger Max Weinberg und Nils Lofgren an der Gitarre, hängt sich noch mal rein. Inzwischen fließt Bruce Springsteen der Schweiß von den Händen, er scheint es gar nicht zu merken. Dieser Boss lässt sich nicht lumpen.

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