Bruce Springsteen und die E Street Band im Stade de Suisse in Bern

Ewig junger Rock’n’Roller sagt die NZZ, der beste Konzertbericht, den ich bisher gefunden habe, Danke NZZ!

Bruce Springsteen singt über kleine Leute, kleine Welten und grosse Verbrechen


Bruce Springsteen singt über kleine Leute, kleine Welten und grosse Verbrechen.

Am Ende des sechsten Songs gibt Bruce Springsteen den Tarif durch. Bis dahin haben er und seine wackere E Street Band schon einiges abgearbeitet: das Lied vom «Vogellisi» auf dem Akkordeon als Begrüssung für die 38 000 Zuhörer, die am Dienstagabend ins Stade de Suisse in Bern gepilgert sind, dann fünf Lieder aus dem eigenen Repertoire. Die Band braucht keinen Anlauf, um ihre Betriebstemperatur zu erreichen. Sie spielt druckvoll und ohne Pause, von alten Hymnen wie «Badlands» (1978) bis zum neuen Western-Epos «Outlaw Pete».

«Working On A Dream»

Dann aber «Working On A Dream», das Titelstück der neusten CD, ein Stück, das bei einem Wahlkampfauftritt Barack Obamas erstmals vorgestellt wurde und das sich eines ähnlichen Vokabulars bedient wie der heutige amerikanische Präsident. Gegen Ende dieses Songs verwandelt sich Bruce «The Boss» Springsteen in einen Südstaaten-Prediger – eine Rolle, die er gerne gibt. Seine Predigt: «Wir werden das Haus der Liebe bauen, das Haus der Hoffnung, das Haus der sexuellen Befriedigung – wir haben alle Bauteile, aber wir brauchen eure Hilfe. Macht Lärm!» Und das Publikum leistet Hilfe, klatscht, schreit, tanzt. Aus der Vogelperspektive wird es aussehen wie ein Weizenfeld im Wind.

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In seinem wohl ebenso ernst wie ironisch gemeinten Statement spricht Springsteen verschiedene Facetten seines Schaffens an: Wer eine Rock’n’Roll-Party will, muss sie sich verdienen. So lässt Springsteen drei der düstersten Songs folgen, die er je geschrieben hat, Songs, die alle 25 Jahre alt sind, die aber auf die heutige soziale Realität der Vereinigten Staaten zutreffen. «Seeds» handelt von der Obdachlosigkeit, dazu gibt es zwei Ausschnitte aus dem akustischen Meisterwerk «Nebraska» (hier in einer Band-Version), Songs über kleine Leute, kleine Welten und grosse Verbrechen.

Es kommt der Moment, da das Publikum die Regie übernimmt; es darf gewünscht werden. Es werden selbsthergestellte Kartonschilder mit Songtiteln in die Höhe gehalten. Springsteen greift sich ein paar Schilder und trifft eine Auswahl. «Hungry Heart» ist der poppige Soul-Hit von 1980, der ihn erstmals in die Hitparade brachte. Darauf folgt eine Überraschung: «I Fought The Law» von Sonny Curtis and the Crickets, Jahrgang 1959. Springsteen schaut in die Runde und sagt am Mikrofon vorbei: «Die wollen die Band testen.» Die E Street Band interpretiert das Rockabilly-Stück mit einigem Drive und lässt dann die Höhepunkte folgen: eine Version von «Downbound Train», die in ihrer relativen Zurückhaltung schlicht ergreifend ist, dann «Because The Night», das in ein furioses Solo des Gitarristen Nils Lofgren mündet.

Von da weg haben Springsteen und seine E Street Band leichtes Spiel, sie lassen Hits wie «The River» oder «Born To Run» vorbeiziehen. Die schiere Spielfreude und die Hingabe, die der bald 60-jährige Bruce Springsteen dabei verströmt, sind bewundernswert, und die körperliche Verfassung des Sängers ist beneidenswert. Die insgesamt 10-köpfige E Street Band lässt sich vom allgemeinen Enthusiasmus anstecken, geht gegen Schluss kaum mehr vom Gaspedal; fast verschlägt es einem den Atem.

Gesungenes Gebet

Einmal noch wird der Motor gedrosselt, zur ersten Zugabe: «Hard Times Come Again No More» wurde 1854 von Stephen Foster geschrieben, dem ersten grossen Komponisten der USA. Die E Street Band interpretiert dieses Lied, das im Refrain darum bittet, dass die harten Zeiten vorbeiziehen mögen, als Gospelsong, als gesungenes Gebet. Dann lässt Bruce Springsteen seine Truppe wieder von der Leine. Die älteren Herren rocken sich durch Hits wie «Bobby Jean», «Dancing In The Dark» oder «Rockin‘ All Over The World» von John Fogerty. Und das klingt beinahe energetischer als damals, vor 25 Jahren. Zuletzt packt sich der Boss das Mikrofon und schreit: «Ich bin ein Gefangener – des Rock’n’Roll!» Darauf entlässt er einen in die laue Berner Sommernacht. Man nimmt das Gefühl mit, einen Rockstar zum Anfassen gesehen zu haben, der – anders als sein Idol Elvis Presley oder Michael Jackson, sein zeitweiliger Hitparaden-Konkurrent – in Würde und mit viel Lebensfreude alt geworden ist.

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