Dubai verspricht die Party des Jahrzehnts

Selbst in Dubai hat man so etwas noch nicht gesehen: Mit maßlosem Pomp wird auf der ersten künstlichen Insel das Prunkhotel “Atlantis The Palm” eröffnet. Aus aller Welt reisen Promis an, das Feuerwerk wird siebenmal größer als bei Olympia. Hat da jemand “Finanzkrise” gesagt? fragt sich spiegelein onlein_

Wenn es der Firma dreckig geht, riet J.R. Ewing seiner Frau Sue Ellen, dann putz dich erst recht heraus. Europäer, Deutsche mögen anders denken, doch in Dubai gilt genau, was einst in Dallas galt: Krisen werden weggelächelt, und wenn andere Trübsal blasen – wir feiern, dass die Schwarte kracht.

Im September, als in New York die Investmentbank Lehman Brothers unterging, machte der Flughafen Dubai sein neues Terminal auf. Als Anfang November in Berlin, Paris und London die Hilfsprogramme für die notleidende Finanzbranche anliefen, ging in Dubai die größte Shopping Mall der Welt in Betrieb. Und jetzt, wo auch am Golf die Börsen längst am Boden liegen und selbst die Ölscheichs ihre verlorenen Milliarden zählen, steigt die “Party des Jahrzehnts”: Auf Palm Jumeirah, einer der künstlichen Halbinseln vor der Küste von Dubai, wird das Luxushotel “Atlantis The Palm”, seit neun Wochen in Betrieb, offiziell eröffnet.

Selbst für die überdrehten Verhältnisse von Dubai ist der Aufwand und der Star-Auftrieb enorm: 20 Millionen Dollar wird das Spektakel kosten, aus den USA kommen Talk-Masterin Oprah Winfrey und die Schauspieler Robert DeNiro und Denzel Washington, aus Deutschland Boris Becker.

Ein Feuerwerk, siebenmal größer als das zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, ist geplant, und Eltern, deren Kinder Schulen im weiteren Umkreis besuchen, wurden gestern Abend benachrichtigt, dass der Unterricht heute schon zu Mittag endet. Das gab es zuletzt im Februar, als US-Präsident George W. Bush in Dubai war.

Die Kamele haben heute frei

Ursula Musch aus Ravensburg, “Kamel-Uschi” genannt, seit 20 Jahren in Dubai und eine der über Kulturgrenzen hinweg bekanntesten Deutschen der Stadt, betreibt am Strand vor dem Atlantis eine kleine Kamelfarm. Heute Abend haben die Tiere frei, ihr Zelt ist ein paar hundert Meter verlegt worden.

Wo die Gäste sonst ins Freie treten, den Prunk, die künstlichen Grotten und die riesigen Aquarien des “Atlantis” hinter sich lassen und sich bei Tee und Wasserpfeife vergewissern, dass sie auch wirklich in Arabien sind – dort wird am Donnerstagabend die australische Pop-Sängerin Kylie Minogue auftreten.

Vor ein paar Tagen hatte der kleine Sohn des “Atlantis”-Chefs Sol Kerzner Geburtstag und drehte mit seinem Vater ein paar Runden bei der Kamel-Uschi. “Es war ganz schlicht und familiär”, sagt sie. “Gerade in Dubai freuen sich die Leute, wenn man ihnen mal etwas Bodenständiges bietet.” Man ahnt es: Die ewigen Superlative ermüden selbst Milliardäre wie Kerzner, der Hotels, Casinos und Luxus-Resorts in den USA, auf den Bahamas und in seinem Heimatland Südafrika betreibt.

Nicht, dass Dubai deswegen von seiner Schneller-Höher-Teurer-Philosophie abrückte. Gerade die Welt-Finanzkrise, sagte diese Woche Sultan Ahmed Bin Sulayem, Chef der Regierungs-Holding Dubai World, sei ein guter Anlass, in Tourismusprojekte zu investieren. Er war zur Eröffnung des “Fontainbleau Miami Beach Resorts” in Florida. Dort hat sich seine Firma im April mit 375 Millionen Dollar eingekauft.

Mit Großinvestitionen gegen die Krise

Die Scheichs von Dubai sind Krisen gewohnt: Emirates Airlines, ihre Fluggesellschaft, ging Mitte der achtziger Jahre an den Start, als der Iran-Irak-Krieg tobte; der Immobilienboom begann 2002, kurz nach dem 11. September; und als andere während der Sars-Krise 2003 auf alles Mögliche setzten, nur nicht auf den Tourismus, bestellten sie bei Boeing und Airbus Flugzeuge im Dutzend.

Zurzeit sei China ein guter Platz, um Hotels zu kaufen und zu bauen, sagt Sulayem, außerdem sehe man sich in Indien um, in Goa zum Beispiel, wo früher oder später Millionen von Indern Urlaub machen würden.

Woher das Geld für diese Investitionen kommt, wie viel noch da ist und wie lange es noch reicht, darüber weiß man am Golf noch weniger als an den transparenteren Finanzmärkten im Westen. Der Immobilienboom von Dubai, zum großen Teil auf Pump finanziert, steht wohl vor einem reinigenden Gewitter. Der fallende Ölpreis und die sinkenden Zinserträge der Scheichs trüben die Stimmung.

Für die letzte Ölung, die schadenfrohe Kommentatoren den Überfliegern vom Golf voraussagen, ist es vielleicht aber noch etwas zu früh. In den vergangenen Jahren wurde schließlich viel Geld verdient, und noch ist das Ölzeitalter nicht zu Ende.

“Das gilt nicht für alle hier am Golf, doch ich selber spüre noch gar nichts von der Krise”, sagt Ursula Musch. Ihre Kamele stapfen noch unverdrossen vor dem “Atlantis” in Dubai und dem “Emirates Palace”-Hotel in Abu Dhabi auf und ab. “So viel ich weiß, sind diese Häuser gut gebucht.”

Am Montag kündigte die Regierung von Dubai das nächste Großprojekt an: eine Hängebrücke über den Dubai Creek, den Meeresarm, der die Stadt in ihre beiden Hälften teilt. Die Stahlseile, welche die Brücke halten, werden an einem nach oben offenen Halbkreis fixiert. Die Marketing-Experten mussten wohl nicht lange grübeln, welcher Name für die neue Brücke passt: Sie wird “Dubai Smile” heißen.

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