Der Staats-Sekretär will einen Neger

berichtet der Südkurier:

“Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt”, diesen Satz soll Randolph Krüger, Sekretär des Gesundheitsausschusses, bei einer Reise von Bundestagsabgeordneten in die USA gesagt habe

Wir brauchen einen Neger, der den Rollstuhl schiebt” – dieser Satz fiel nicht auf einer Fasnetveranstaltung in Hintertupfingen zwischen Männerballett und sonstigen Humorattacken. Der rüde Befehl wird dem Sekretär des Gesundheitsausschusses des Bundestag, Randolph Krüger, zugeschrieben. Der hält es – kleinlaut – sogar für möglich, “dass ich das gesagt habe.” Passiert sein soll der Fauxpas während einer Reise von sieben Bundestagsabgeordneten in die USA.

Den rassistischen Ausrutscher hätte es vermutlich nicht gegeben, wäre der Tübinger CDU-Abgeordneten Annette Widmann-Mauz nicht ein echter passiert. Eine gebrochene Haxe war das Resultat. Die aber sollte sie nicht hindern, tapfer eine Delegation des Gesundheitsausschusses auf einer elftägigen Erkundungstour anzuführen. Hinderlich ist so ein Verband, ein Rollstuhl naheliegend. Also brachte Sekretär Krüger den Wunsch beim Konsulat in San Francisco an. Doch die Auswahl des Gefährts soll dem Stilempfinden des Sozialdemokraten nicht entsprochen haben. Das hat nach einem Bericht des “Spiegel” zum Eklat geführt, zum “Neger”-Spruch des beflissenen Dieners seiner Delegation.

Der Krüger sei doch “sehr zurückhaltend”, wundert sich der Konstanzer SPD-Abgeordnete Peter Friedrich, der ebenfalls dem Gesundheitsausschuss angehört, an der Reise aber nicht teilgenommen hat. Vielleicht ist dem sonst besonnenen Krüger einfach das Nervenkostüm geborsten. Immerhin stellte die Expertentruppe Ansprüche, die das vieles gewohnte Konsulat im sonnigen Kalifornien so nicht kennt, wie sich sein Chef Rolf Schütte beim Auswärtigen Amt beschwerte. Verblüfft musste er zur Kenntnis nehmen, dass die Besucher Wert darauf legten, “das Programm nicht mit inhaltlichen Themen zu überfrachten”. Nach dem nicht dementierten “Spiegel”-Bericht wünschten die für Gesundheit zuständigen Volksvertreter dagegen ein vom Konsulat gestaltetes Freizeit-Programm, “samt Einkaufsmöglichkeiten, inklusive der Schuhgeschäfte”. Wahrscheinlich war der Wunsch in Übersee eingetroffen, bevor sich Widmann-Mauz den Knacks im Bein zuzog.
Peter Friedrich staunt. Freizeitgestaltung bei solchen Reisen kenne er zwar – allerdings höchstens als abendliches Bier mit Kollegen. Der Rest sei Arbeit. Wer mehr wolle, reise früher an oder später ab und zahle selbst. Die jetzt angeschwärzte Riege aber wollte Theater, Konzerte, zeitraubendes Sightseeing zur Arbeitszeit. Einmal hätten die Helden aus Berlin schon beim Frühstück beschlossen, alle Termine zugunsten eines Ausflugs abzusagen. Die Gesprächspartner im kalifornischen Parlament seien als nicht adäquat eingestuft worden, petzte das Konsulat. “Auf Augenhöhe” wolle sie parlieren, soll Widmann-Mauz die Verweigerung begründet haben. Was die 42-Jährige darunter versteht, kann sie wohl bald dem Bundestag erklären und auch, dass sich ihre geballte (Lebens)Erfahrung auf das Studium, ein paar Jahre als Assistentin des EU-Projekts “European Studies Programm” und den Bundestag erstreckt.

Dort hat man jetzt ein Problem und schweigt. Gestrige Anrufe liefen ins Leere. Sie prüfe noch, ließ die Bundestagsverwaltung verlauten, Annette Widmann-Mauz blieb stumm. Womöglich wird sich der Bundestagspräsident über Regeln für Ausschuss-Ausflüge Gedanken machen müssen. Er könnte Benimm-Kurse verordnen und die Berliner VHS um Rabatte bitten.

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